16. Oktober 2026

100.000 Nutzende, eine gemeinsame Vision: Wie KI den Verwaltungsalltag verändert

Der KI-Textassistent LLMoin von Dataport und der Freien und Hansestadt Hamburg erreicht 100.000 Nutzende. Das Beispiel zeigt, wie generative KI öffentliche Verwaltungen entlasten kann – und warum es für ihren erfolgreichen Einsatz mehr braucht als gute Technologie.

Ein langer Bericht muss zusammengefasst, eine E-Mail verständlicher formuliert oder eine Information aus umfangreichen Dokumenten recherchiert werden: Im Arbeitsalltag der öffentlichen Verwaltung gibt es zahlreiche Aufgaben, bei denen generative Künstliche Intelligenz unterstützen kann. Manchmal fehlt am Ende eines langen Arbeitstages auch einfach nur der passende letzte Satz.

Genau hier setzt LLMoin an. Der von Dataport gemeinsam mit der Freien und Hansestadt Hamburg entwickelte KI-Textassistent hat im Herbst 2026 die Marke von 100.000 Nutzenden überschritten. Beschäftigte in Verwaltungen in Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Rheinland-Pfalz nutzen das Angebot inzwischen. Hinzu kommen 17 kommunale Kunden.

Der Erfolg verdeutlicht, dass KI zunehmend dort ankommt, wo sie einen konkreten Mehrwert schaffen kann: in den täglichen Arbeitsabläufen.

Kleine Aufgaben, große Wirkung

Als die Entwicklung von LLMoin im Herbst 2023 begann, stand eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Wie kann generative KI Beschäftigte in der Verwaltung tatsächlich entlasten?

Die Antwort liegt häufig in den vielen kleinen Aufgaben, die den Arbeitstag prägen. LLMoin kann längere Dokumente zusammenfassen, Informationen recherchieren, Texte erstellen und überarbeiten oder Formulierungsvorschläge liefern. Das sind Tätigkeiten, die einzeln betrachtet oft nur wenige Minuten beanspruchen. Über den Tag hinweg kann sich daraus jedoch ein spürbarer Entlastungseffekt ergeben.

Gerade angesichts des Fachkräftemangels und steigender Anforderungen an öffentliche Institutionen ist das ein wichtiger Ansatz. Wenn Beschäftigte weniger Zeit für wiederkehrende Text- und Rechercheaufgaben benötigen, können Freiräume für andere Tätigkeiten entstehen.

Entscheidend ist dabei die praktische Nutzbarkeit: LLMoin lässt sich über den Browser aufrufen und setzt keine umfassende KI-Expertise voraus. Damit wird generative KI zu einem Werkzeug, das sich vergleichsweise unkompliziert in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lässt.

Eine Lösung, viele Verwaltungen

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist der Ansatz, LLMoin von Beginn an als nachnutzbare Lösung für verschiedene Verwaltungen zu entwickeln. Statt dass jedes Bundesland einen eigenen KI-Assistenten aufbaut, können weitere Länder und Kommunen auf einer gemeinsamen Produktbasis aufsetzen.

Der Start erfolgte im Herbst 2024 in Hamburg. Anschließend wurde die Nutzung auf weitere Verwaltungen ausgeweitet. Dabei müssen allerdings unterschiedliche technische Infrastrukturen, Zugriffsrechte und organisatorische Anforderungen berücksichtigt werden.

Ein Beispiel dafür ist das Mandantenkonzept: Mehrere Organisationen können den Assistenten nutzen, während ihre jeweiligen Bereiche und Daten voneinander getrennt bleiben. Je nach Bedarf sind unterschiedliche Betriebsumgebungen möglich.

Das Prinzip der Nachnutzung eröffnet Chancen für die Digitalisierung des öffentlichen Sektors. Bereits entwickelte Lösungen und gewonnene Erfahrungen können über Organisationsgrenzen hinweg genutzt werden. Verwaltungen müssen dadurch nicht immer wieder bei null anfangen.

Gleichzeitig zeigt das Beispiel, dass Skalierung mehr bedeutet als die Freischaltung zusätzlicher Nutzerkonten. Technische Integration, organisatorische Anpassung, Qualifizierung und Veränderungsbegleitung gehören ebenso dazu. Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren schafft die Voraussetzungen dafür, dass eine neue Technologie im Alltag angenommen wird.

KI braucht Vertrauen und klare Rahmenbedingungen

Besonders im öffentlichen Sektor spielen Datenschutz, Informationssicherheit und digitale Souveränität eine zentrale Rolle. Behörden verarbeiten sensible Informationen und müssen deshalb genau prüfen, welche KI-Systeme für welche Aufgaben geeignet sind.

LLMoin kann mit unterschiedlichen Sprachmodellen arbeiten. Dazu gehören auch Modelle, die in der eigenen Rechenzentrumsinfrastruktur von Dataport betrieben werden können. Welche Lösung infrage kommt, hängt unter anderem von den jeweiligen Schutzanforderungen und dem vorgesehenen Einsatz ab.

Doch auch eine technisch geeignete Lösung allein garantiert noch keinen erfolgreichen KI-Einsatz. Beschäftigte müssen wissen, wie sie die Technologie sinnvoll nutzen, ihre Ergebnisse kritisch prüfen und ihre Grenzen einschätzen können. Ebenso braucht es klare Verantwortlichkeiten und verbindliche Regeln für den Einsatz.

LLMoin steht damit beispielhaft für eine wichtige Entwicklung: Der Fokus verschiebt sich von der Frage, was generative KI technisch leisten kann, hin zur Frage, wie sie sicher, verantwortungsvoll und dauerhaft in Organisationen eingesetzt werden kann.

Wie geht es weiter?

Mit dem Erreichen von 100.000 Nutzenden ist die Entwicklung nicht abgeschlossen. Dataport plant, die Recherchefunktionen weiter auszubauen und zusätzliche Möglichkeiten zur Weiterverwendung von Ergebnissen zu schaffen. Auch eine Internetrecherche, Bildgenerierung und die Anbindung von E-Akte-Systemen werden als mögliche Erweiterungen genannt.

Die Vision dahinter: eine öffentliche Verwaltung, die die Potenziale generativer KI nutzen kann, ohne auf unkontrollierte oder nicht offiziell bereitgestellte KI-Werkzeuge ausweichen zu müssen.

Ob diese Vision gelingt, wird nicht allein von der Leistungsfähigkeit der Sprachmodelle abhängen. Ausschlaggebend wird sein, wie gut sich die Systeme in den Verwaltungsalltag integrieren lassen, wie sicher mit Daten umgegangen wird und wie souverän die Menschen mit den neuen Möglichkeiten arbeiten können.

Was LLMoin für die digitale Zukunft bedeutet

Für The Interface Society zeigt LLMoin, worauf es bei der digitalen Transformation ankommt: Technologie muss mit den Bedürfnissen der Menschen, den Anforderungen der Organisationen und den Rahmenbedingungen unserer Gesellschaft zusammengebracht werden.

Das Beispiel LLMoin liefert einen konkreten Anknüpfungspunkt, wie aus einer technologischen Möglichkeit eine breit genutzte Anwendung werden kann – wenn technische Entwicklung, Zusammenarbeit und verantwortungsvolle Umsetzung Hand in Hand gehen. Denn die digitale Zukunft entsteht nicht allein durch neue Technologien. Sie entsteht dort, wo Menschen gemeinsam daran arbeiten, diese Technologien sinnvoll zu gestalten.

Quelle: https://www.dataport.de/newsroom/stories/llmoin-erreicht-100000-nutzende-vision-alltag-und-der-perfekte-satz/ 

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